Neurodermitis
Als Ursache der Neurodermitis
vermutet man eine multifaktoriell bedingte immunvegetative Regulationsstörung.
Nachgewiesen ist eine genetische Veranlagung, d. h. es liegen eine Reihe
von Störungen des Immunsystems und der Hautfunktionen bei den
Betroffenen vor. Wann ein Krankheitsschub auftritt, wird von vielfältigen
Faktoren bestimmt, die von Person zu Person in ihrer Bedeutung
verschieden sein können. Hierzu gehören Allergene, Klimafaktoren,
Hautirritationen (z. B. durch Kleidung) und psychische Einflüsse wie
Stress. Der Wechsel von Bezugspersonen, der
Eintritt in neue Lebensphasen oder neue „Rollen“, Beziehungskrisen,
familiäre Spannungen oder berufliche Probleme stehen oft am Anfang
eines Neurodermitis-Schubes
Neurodermitis-Patienten können
ihre empfindliche Haut beispielsweise durch angemessene tägliche
Hautpflege und entsprechend wenig hautreizende Kleidung positiv
beeinflussen. Trotz vieler Fortschritte in der dermatologischen
Diagnostik und Behandlung ist die Neurodermitis meist nicht dauerhaft
heilbar. Es sind daher zusätzliche psychosomatische Behandlungsangebote
erforderlich, die
Generelle
Therapiemöglichkeiten der Neurodermitis
Akute Neurodermitis-Schübe können
mit Cortison und Teer behandelt werden. Eine Dauerbehandlung erfolgt mit
rückfettender Basiscreme, Lichttherapie, Ernährungsumstellung und der
Vermeidung von auslösenden, allergenen Substanzen.
Aus psychologischer Sicht ist zum
Einen bei den Betroffenen oft ein Informationsdefizit über mögliche
Einflussfaktoren auf den Verlauf der Erkrankung und optimale Hautpflegemöglichkeiten
festzustellen. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, eine systematische
Patientenschulung in krankheits- und behandlungsbezogenem Wissen
durchzuführen. Auf der anderen Seite bietet der Zusammenhang der Krankheitsschübe mit psychischen Belastungsfaktoren und der Teufelskreis zwischen Juckreiz und Kratzen Ansatzpunkte für psychologische Interventionsmöglichkeiten. Entspannungsverfahren spielen eine wichtige Rolle, da sie den Betroffenen helfen können, das Belastungsniveau zu senken und den Juckreiz besser zu bewältigen.
Ein individuell unterschiedlicher,
jedoch nicht unerheblicher Anteil an Kratzen geht nicht auf Juckreiz zurück,
sondern auf innere oder situative Reize wie diffuse Anspannung oder Ärger,
Entscheidungskonflikte, freier Zugang zur Haut (beispielsweise beim
Umziehen), andere Hautempfindungen wie Kribbeln oder der Anblick von
Hautveränderungen, wie Schorf. Es kommt dadurch zu „automatisiertem
Kratzen“, das durch Selbstbeobachtungsmethoden besser erkannt werden
und durch das Erlernen von Selbstkontrolltechniken reduziert werden
kann. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Einflussnahme auf soziale
Belastungen, die im Umgang mit anderen Menschen entstehen. Hier können
Training in Selbstsicherheit, Kommunikation und Problemlösefähigkeiten
dem an Neurodermitis Erkrankten helfen, sein Selbstwertgefühl zu stärken,
sich sicherer zu fühlen und die Belastung zu reduzieren. Dies kann in
Einzeltherapie geschehen. Günstig sind auch stationäre Settings, die
den Erkrankten erlauben, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen,
sich dadurch zu entlasten und Strategien von anderen zu modellieren.
Allen verhaltenstherapeutischen
Ansätzen ist gemeinsam, dass die Patienten durch Informationen,
systematische Selbstbeobachtung, Aufbau von Selbstkontrolltechniken und
Training in neuen Verhaltensweisen darin geschult werden, Experten für
ihre Krankheit zu werden und selbst aktiv Einfluss auf deren Verlauf zu
nehmen.
Therapie
in der Hardtwaldklinik II
Neben einer medikamentösen
Behandlung mit vorwiegend lokalen Anwendungen kommen in der
Hardtwaldklinik II konfliktsensibilisierende, analytisch orientierte
Einzelgespräche ebenso wie verhaltenstherapeutische Einzelgespräche
und Gruppentherapien zur Anwendung.
Kernbereiche der
psychotherapeutischen Behandlung sind:
Es besteht die Möglichkeit, an
Gruppen zum Training sozialer Kompetenzen (z.B. Aufbau optimaler
Kommunikationsstrategien, Äußerung und auch Umgang mit Kritik, Aufbau
von Kontakten) sowie Problemlösegruppen (Erlernen geeigneter Stressbewältigungsmöglichkeiten)
teilzunehmen. Zusätzlich haben an Neurodermitis Erkrankte die Möglichkeit,
Kreativgruppen wie Gestaltungs- oder Bewegungstherapie zu nutzen, um
eigene Befindlichkeiten, Wünsche und Bedürfnisse deutlicher
wahrzunehmen und zu artikulieren.
Weiterhin kommen psychoedukative
Maßnahmen zur Information der Neurodermitis-Erkrankten über Krankheit,
deren Verlauf und mögliche Einflussfaktoren zum Tragen. In den Einzelgesprächen werden Selbstbeobachtungsstrategien vermittelt und aus den gewonnenen Erkenntnissen Selbstkontrolltechniken aufgebaut, beispielsweise das Unterbrechen von automatisiertem Kratzverhalten und die Entwicklung alternativer Verhaltensweisen für „Kratzrituale“. Innere oder soziale Konflikte können durch unterschiedlich hohe Anspannungsniveaus die Juckreizschwelle beeinflussen und im Verlauf der stationären Behandlung reduziert werden.
Das Selbstbewusstsein der an
Neurodermitis Erkrankten ist aufgrund der nach außen sichtbaren Hautveränderungen
oft wenig positiv besetzt. Auch dies kann in Einzel- und Gruppengesprächen
therapeutisch thematisiert und bearbeitet werden. Entspannungsverfahren
wie die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson und das Autogene
Training wirken positiv unterstützend.
Die Kombination von
psychotherapeutischen und somatischen Methoden zeigt eine deutlich
bessere Wirkung als die Anwendung rein organmedizinischer
Vorgehensweisen allein.
Den Betroffenen soll ermöglicht
werden, durch die vermittelten Informationen und Verhaltensstrategien
zum Experten für seine Neurodermitis-Erkrankung zu werden.
Mit
den besten Wünschen
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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